Vorwort zur Übersetzung
Im Laufe der Menschheitsgeschichte offenbarte Gott zahlreiche Schriften an Propheten und Gesandte: Abraham erhielt Schriftrollen, David die Urpsalmen, Moses die Urthora und Jesus das Urevangelium. Auf gleiche Weise wurde Muhammad Gottes Segen und Friede seien auf ihm als Siegel der Propheten auserwählt und erhielt den Koran als abschließende Offenbarung.
Muslime glauben an alle Propheten und Gesandten sowie an alle offenbarten Schriften. Zugleich sind Muslime überzeugt, dass der Koran die letzte Offenbarung Gottes an die Menschen ist und ihnen als Rechtleitung und Führung bis zum Jüngsten Tag dient.
Der Koran wurde dem Propheten Muhammad im 7. Jahrhundert offenbart. Die erste deutsche Übersetzung geht auf das 17. Jahrhundert zurück; sie entstand jedoch indirekt über das Lateinische und war von polemischen Tendenzen geprägt. Auch spätere, aus dem Arabischen angefertigte Übersetzungen von Orientalisten waren nicht frei von christlich geprägten und teils abwertenden Grundhaltungen. Bis heute gibt es – im Vergleich zu englischen und französischen – vergleichsweise wenige deutsche Koranübersetzungen. Insbesondere solche von Muslimen, die sich auf die klassische Exegese stützen und einen verantwortungsvollen Zugang wählen, sind nur in geringer Zahl vorhanden.
Die vorliegende Übersetzung verfolgt das Ziel, Lesern ohne oder mit geringem religiösen Vorwissen einen verständlichen Zugang zur Grundbotschaft des Koran zu eröffnen. Dazu wurde in Einzelfällen von einer streng wörtlichen Wiedergabe abgewichen, um verschachtelte Formulierungen zu vermeiden, eine zeitgemäße und zugleich würdige Sprache gewählt und der Text durch inhaltlich-thematische Überschriften gegliedert.
Den Koran zu übersetzen ist sowohl eine gewaltige Ehre als auch eine immense Verantwortung. Keine Übersetzung des Korans kann jemals vollkommen sein, und auch keine Auslegung kann Vollkommenheit beanspruchen. Korangelehrte haben über Jahrhunderte hinweg die Bedeutungen einzelner Verse diskutiert und damit gezeigt, dass die Interpretation des Koran ein tiefgründiges und anspruchsvolles Unterfangen ist.
Übersetzung ist selbst eine Form der Interpretation, und Interpretation stützt sich auf verschiedene Mittel, die helfen, die von Gott in jedem Vers beabsichtigte Bedeutung annähernd wiederzugeben. Mitunter sind Gelehrte uneinig, doch oft liegen ihre Unterschiede nur im Ausdruck; ihre Ansichten schließen sich nicht unbedingt aus. In manchen Fällen sind die Meinungsverschiedenheiten hingegen unvereinbar. Dann ist es die Aufgabe des Übersetzers, zu bestimmen, welche Interpretation am überzeugendsten ist und am besten zum Stil und zu den Zielen der Übersetzung passt.
Bei der Vorbereitung dieser Übersetzung hat sich das Übersetzungsteam, bestehend aus islamischen Gelehrten und Germanisten, auf mehrere grundlegende exegetische Werke gestützt. Zu diesen gehören:
- at-Tashīl li-ʿulūm at-tanzīl
- al-Muḥarrar al-waǧīz
- Tafsīr al-qurʾān al-ʿaẓīm
- at-Tafsīr al-munīr
Die Übersetzung des Koran erfordert ständige Aufmerksamkeit für den Kontext. Mitunter macht das Verständnis der Umstände der Offenbarung leichte Anpassungen in der Wortwahl notwendig, um diesen Kontext widerzuspiegeln.
In dieser Übersetzung wurde angestrebt, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen wörtlicher Genauigkeit und sprachlicher Klarheit zu erreichen, indem der Wortlaut des Korans möglichst beibehalten und zugleich in einem würdigen, gut verständlichen Deutsch wiedergegeben wurde. Dafür wurden folgende Ansätze gewählt:
- Allah, der Eigenname Gottes, wird in dieser Übersetzung mit „Gott“ wiedergegeben. Auch wenn dies keine vollkommene Entsprechung ist, ermöglicht sie Lesern ohne Arabischkenntnisse ein besseres Verständnis und einen leichteren Zugang.
- Personalpronomen, die sich auf Gott beziehen (z. B. Er, Ihm, Ihn), werden durchgehend großgeschrieben. Dies dient der besseren Erkennbarkeit der göttlichen Bezugnahme.
- Die Übersetzung wurde direkt aus dem arabischen Originaltext angefertigt.
- Die Einteilung der Koranverse erfolgt in klassische Suren (Kapitel). Zusätzlich wurde eine inhaltlich-thematische Gliederung durch Überschriften vorgenommen, um insbesondere Perspektivwechsel besser einordnen zu können.
- Für die Eigennamen von Personen und Begriffen wurden die gebräuchlichen biblischen Formen (z. B. Noah, Abraham, David) übernommen, da diese dem Leser vertraut sind und das Wiedererkennen gemeinsamer prophetischer Erzählungen erleichtern.
- Die DMG-Umschrift wurde zugunsten einer besseren Lesbarkeit weitgehend vermieden. Lediglich die Surennamen werden in DMG-Umschrift wiedergegeben.
- Der Koran verwendet die Begriffe Psalmen, Thora und Evangelium mehrdeutig. In dieser Übersetzung kennzeichnet „Ur-“ die ursprünglich offenbarten Schriften (Urpsalmen, Urthora, Urevangelium), während heutige Texte wie üblich als Psalmen, Thora und Evangelium wiedergegeben werden.
- Das Zeichen Gottes Segen und Friede seien auf ihm ist eine Eulogie und bedeutet: „Möge Gott den Propheten in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken.“ Es erscheint in Überschriften und Fußnoten.
- Innerhalb der Zeichen ˹ ˺ befinden sich Inhalte, die nicht Teil des koranischen Textes sind. Es handelt sich um Zusatzinformationen auf Grundlage exegetischer Werke, die der besseren Verständlichkeit dienen und als fortlaufende Ergänzungen gelesen werden können.
- Klammern wurden so sparsam wie möglich und nur so häufig wie nötig verwendet. Da der Koran häufig einen Deixiswechsel vollzieht, wurden Sprecher an entsprechenden Stellen kenntlich gemacht, z. B.: „Er (Moses) sagte: …“. Klammern dienen zudem der Identifikation, etwa: „die das Buch (die Urthora) erbten“.
- Zur Vermeidung schwer verständlicher oder verschachtelter Formulierungen wurde in Einzelfällen auf eine streng wörtliche Wiedergabe verzichtet. So wurde beispielsweise „O ihr, die ihr stets glaubt“ vereinfacht zu „O Gläubige!“.
- Ältere Sprachformen wie „Frevel“ oder „Torheit“ wurden zugunsten eines zeitgemäßen Sprachstils vermieden, der dennoch die Würde des heiligen Textes wahrt.
- Der arabische Grundtext dieser Übersetzung folgt der heute am weitesten verbreiteten Koranlesart, der Überlieferung von Ḥafṣ nach ʿĀṣim. Die Übersetzung wurde auf Grundlage dieser Lesart angefertigt.
- Fußnoten wurden nur dort eingefügt, wo sie für deutschsprachige Leser ohne oder mit geringem religiösem Vorwissen notwendig erscheinen. Sie enthalten kontextuelle Informationen, islamrechtliche Erläuterungen, ausgewählte exegetische Ansichten sowie Hinweise zu überlieferten Offenbarungsanlässen.
Grenzen der Übersetzung
Ein wesentlicher Aspekt, der in jeder Übersetzung unvermeidbar verloren geht, sind die sprachlichen und stilistischen Feinheiten des Originals. Im Fall des Koran betrifft dies Reimstrukturen, Ringkompositionen, inhaltliche Tiefe, rhetorische Mittel uvm.
Besonders deutlich wird dies im Kapitel 108, Der Überfluss. Es umfasst drei Verse mit nur zehn Wörtern und enthält dennoch über zwanzig rhetorische Elemente. Alle Verse enden in einem ungezwungenen Reim, dessen Wörter im gesamten Koran nur an diesen Stellen vorkommen. Der dritte Vers ist die Erfüllung einer Prophezeiung und das gesamte Kapitel ist eine unmittelbare Antwort auf die leugnerischen Mekkaner und wurde von Muhammad Gottes Segen und Friede seien auf ihm vorgetragen, der nicht für Dichtung bekannt war.
Dieses Beispiel zeigt, dass eine Übersetzung den Inhalt zugänglich macht, jedoch nicht die gesamte sprachliche und stilistische Dimension des Originals erfassen kann.
Hinweise zum Umgang
- Auch wenn es sich nicht um ein originales arabisches Exemplar handelt, bitten wir dich, dieses Buch respektvoll zu behandeln. Dazu gehört, es nicht in Toiletten zu lesen, nicht auf den Boden zu legen und nicht im Müll zu entsorgen.
- Wenn du es nicht mehr benötigst, kannst du es gerne verschenken oder in einer örtlichen Moschee abgeben.
- Für Lernzwecke oder weiterführende Recherchen ist es unbedenklich, in diesem Exemplar Stellen zu markieren oder Fragen zu notieren.
- Bei Fragen zum Koran oder zum Glauben der Muslime laden wir dich ein, unsere Website www.derkoran.com zu besuchen und mehr zu erfahren.
Hinweis zur ersten Auflage
- Dies ist die erste Auflage dieser Koranübersetzung. Trotz sorgfältiger Arbeit können Fehler oder Unklarheiten enthalten sein. Wir freuen uns über Hinweise und Verbesserungsvorschläge. Bitte sende uns diese an info@derkoran.com – wir berücksichtigen dein Feedback in zukünftigen Auflagen.
Wir wünschen dir eine reflektierte Reise und hoffen, dass sie Fragen in dir weckt. Für deine Fragen steht das Team von Entdecke den Koran gerne unter info@derkoran.com zur Verfügung.
Wir bitten Gott, dieses Werk anzunehmen und damit viele Menschen zu erreichen. Ebenso danken wir dem ehrenwerten Übersetzungsteam, den Spendern und allen, die uns auf dieser Reise begleitet haben.